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Chronik

Chronik des Fußballsports in Hohenthurm

Von Max Kitzing, überarbeitet und ergänzt von Henning Thürer

Nachdem der erste Weltkrieg beendet war und die Revolution 1919 vorüber war, die Ruhe im Land wieder fast normal hergestellt schien, ergriffen einige junge Männer die Initiative und gründeten im Jahr 1920 den Fußballverein Hohenthurm-Rosenfeld. Hohenthurm-Rosenfeld, weil der Ort damals aus zwei Gemeinden bestand. Besonders verdient bei der Gründung des Sportvereins machten sich Otto Weise, Erich Gehre, Erich Münzenberg, Fritz Bichoel, Otto Kupfernagel und einige mehr.
Der Spielbetrieb wurde aufgenommen, der Sportplatz befand sich am heutigen Kiebitzweg, wo jetzt die Autobahn verläuft. Da es im Saalkreis nur wenige Vereine gab, wurde überwiegend gegen Hallesche Vereine gespielt.
1923 schlossen sich die Vereine Landsberg und Hohenthurm zur Spielvereinigung SVLH zusammen. Gespielt wurde auf dem Sportplatz auf dem Pfarrberg, der ja praktisch zwischen Landsberg und Hohenthurm lag. Es war für die Spieler schon mühsam Fußball zu spielen, denn der Weg zum Sportplatz musste zu Fuß zurückgelegt werden. Gleichzeitig konnte man den Weg gut auch als Trainingsvorbereitung verwenden.
1926 wurde dann auf dem Sportplatz nach Landsberg hinter der Bahn, Richtung Gütz, gegenüber der damaligen Zuckerfabrik, gespielt. Durch den Zusammenschluss beider Vereine spielten bald nur noch Kitzing, Max und Erich Röschel bis 1930 in der SVLH. Es fanden sich nun wieder mehr junge Leute in Hohenthurm, die Fußball spielen wollten und so löste sich Hohenthurm auf Initiative von Max Kitzing von Landsberg.
Es kam 1930 zur Neugründung unter dem Namen VfB Blau-Weiß Hohenthurm. Das erste Spiel der neu formierten Mannschaft fand am zweiten Pfingstfeiertag in Halle gegen Borussia – Sondermannschaft statt und wurde 3:2 gewonnen. Das war ein großer Achtungserfolg, denn die Borussia spielte in der damaligen 1. Liga. Ab diesem Zeitpunkt beteiligte sich der Verein an den Punkt- und Freundschaftsspielen. Der Spielbetrieb fand überwiegend in Halle statt. Im Saalkreis gab es nur wenige Mannschaften, z. B. in Landsberg 2 Vereine – Jahnsportverein und den Sportverein Grün Weiß, Brachstedt, Quetz, Osmünde, Kanena und noch einige andere. Der Anfang und die Jahre bis Ende 1933 waren äußerst schwer, denn es herrschte eine große Arbeitslosigkeit. Ohne Gönner, den heutigen Sponsoren, wäre ein regulärer Spielbetrieb nicht möglich gewesen. Einen festen Sportplatz gab es noch nicht und so mussten Mitglieder und Sportler einen Sportplatz nach dem anderen errichten. Gespielt wurde unter anderem am Schlagweg, wo jetzt die Rinderställe sind, am Acker vor dem Dampfkesselbau Droyßiger Weg, hinter der Bahn gegenüber der Lehrwerkstatt auf dem Kleeacker von Bauer Rose, der dem Verein, ohne Pacht zu verlangen, dieses Gelände für zwei Jahre zur Verfügung stellte. Endlich bekam der Verein dann den Platz, auf dem heute noch gespielt wird. Vorrangig wird darauf trainiert und die Frauenmannschaft trägt ihre Heimspiele darauf aus. Dieses Sportgelände verdankt der Verein dem Gastwirt Vieritz, der auch den Pachtzins für den Platz bezahlte. Auch das Vereinslokal befand sich direkt auf der Sportanlage. Der Sportverein veranstaltete jedes Jahr Sportfeste und Feiern. Die Erlöse aus diesen Veranstaltungen kamen dem Verein zu Gute.
Neben dem VfB Blau-Weiß existierten noch zwei Arbeitersportvereine in Hohenthurm, die aber nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verboten wurden. Das betraf den VfB Blau-Weiß nicht, da dieser ein so genannter bürgerlicher Verein war. Durch die Auflösung der beiden Arbeitersportvereine bekam der Verein Verstärkungen aus diesen. Es wurde sogar die komplette Handballmannschaft übernommen, die im Arbeitersport eine Macht war.
Schon damals konnte Hohenthurm eine gute Nachwuchsarbeit vorweisen.
Dem Spiel- und Sportbetrieb wurde nun bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs 1939 nachgegangen. Dieser brachte neben vielem anderen auch den Sport zum Erliegen und auch aus den Reihen des VfB Blau-Weiß kehrten einige Sportler nicht aus dem Krieg zurück.
Nach Kriegsende, als alles zerbombt und zerstört war, unternahmen 1946 die zurückgekehrten Sportler einen Wiederanfang, um dem Sport in Hohenthurm wieder Leben einzuhauchen. Maßgebenden Anteil daran hatten Franz Messner, Willi Rauschenbach, Walter Häßler, Alfred Schmidt und einige mehr. Besonders erwähnenswert ist der damalige Bürgermeister Fritz Bichoel.
Der Neuanfang gestaltete sich jedoch durch die Kriegsfolgen sehr schwer. Begonnen wurde wieder unter dem alten Namen Blau-Weiß Hohenthurm. Dieser Name sollte allerdings nicht lange Bestand haben, denn nach der Besetzung Ostdeutschlands durch die Sowjetarmee wurde auch deren System eingeführt. So wurde aus dem VfB Blau-Weiß die BSG-EKM Hohenthurm und der Verein fand sich in der 2. Kreisklasse wieder.
Der Sport wurde nun auf Produktionsbasis aufgebaut und die BSG-Betriebssportgemeinschaft-EKM wurde am 18.11.1950 in einer Versammlung in Gehres Gasthof die erste Betriebssportgemeinschaft Sachsen-Anhalts, die nun den Namen BSG-Stahl Hohenthurm erhielt. In dieser Versammlung wurde der kaufmännische Direktor Erich Erhard zum 1. Vorsitzenden, Max Kitzing zum Sektionsleiter, Heinz Schmidt zum 2. Vorsitzenden und Hartmut Gerber zum Kassierer gewählt. Mit der Wahl Erich Erhards erhielt der Sport in Hohenthurm einen ungeahnten Aufschwung. Er setzte sich mit ganzer Kraft für die Geschicke der BSG ein. Unter seiner Führung kamen zum Fußball noch Handball, Kegeln, Schach, Tischtennis und sogar eine Damenhandballmannschaft, die sogar einmal Saalkreismeister wurde, dazu. Das Hauptaugenmerk setze Erhard auf den Fußball. Nach einem Trainingslager in Bad Düben 1951 wurde der Verein unter der Leitung von Max Kitzing Saalkreismeister in der 2. Saalkreisklasse. Der Aufstieg in die 1. Saalkreisklasse war somit geschafft. Auch im Kegeln und Tischtennis stellte Hohenthurm wiederholt den Meister.
1952 wurde die BSG-Stahl in die BSG-Motor umbenannt.
Die erste Fußballmannschaft setze sich nach dem Aufstieg gleich in der Spitzengruppe fest. Sie kämpfte Jahr für Jahr um die Meisterschaft mit, bis ihr 1956 der Gewinn der Meisterschaft und im Anschluss daran auch der Aufstieg in die Bezirksliga gelang. Dort konnte sich die Mannschaft in den ersten beiden Jahren stabilisieren. Dies war auch ein Verdienst des ehemaligen Oberligaspielers Karl Gola, der von Max Kitzing von Halle nach Hohenthurm geholt worden war. Gola fungierte als Spielertrainer und fand eine Anstellung im Trägerbetrieb Dampfkesselbau und war zur gleichen Zeit auch Sportlehrer in der Oberschule. Durch die Verpflichtung Golas und einer im Saalkreis führenden Jugendarbeit konnten immer wieder gute Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft integriert werden... (wird fortgesetzt)